Archiv für Juni, 2011

ROSTROT – KUPFERBRAUN – FASTBRONZE

Dienstag, 21. Juni. Vor 80 Jahren erlebt die Welt die Weltrekordfahrt des Schienenzeppelins von Franz Kruckenberg mit einer Geschwindigkeit von 230,2 km/h und heute feiert die Fangemeinde mit 1500 Zuhörern das bislang größte Poetry Slam Event in Schleswig-Holstein im Rahmen der Kieler Woche. Für die Veranstaltung unter freiem Himmel hatte Björn Högsdal  Poeten auf die “Junge Bühne” geholt, die in dieser Zusammensetzung fast nur bei einer Europameisterschaft in einem gemensamen Lineup stehen würden:

Patrick Salmen (deutschsprachiger Slamchampion 2010) – Lara Stoll (Schweizer Meisterin 2010 und Siegerin des Europa-Slams in Reims 2010) – Wolf Hogekamp (Slamlegende aus Berlin) – Der Koschuh (österreichischer Slamchampion 2010) – Maras (französischer Champion 2010) – Team&Struppi (Teamchampions 2010) – Laurin Buser (U20-Champ 2010) und Harry Baker (englischer Champion 2010)

Das Wetter spielte entgegen der vorangegangen Tage wunderbar mit und mit Rasmus Blohm (gerade frischgekürter Schleswig-Holsteiner-Meister)  fand sich ziemlich spontan auch noch ein ausgesprochen hochkarätiges Opferlamm. Danach fackelten die neun Protagonisten in jeweils direkten Gefechten ein Feuerwerk brillanter Wort- und Dichtkunst ab, die Themenvielfalt der Texte kannte dabei keine Grenzen und Patrick Salmen fasste als schlussendlicher Sieger des 2. Kieler Woche Poetry Slams die gigantische Stimmung nur noch mit den Worten zusammen: “Ihr seid doch alle verrückt”. Gewonnen hatten aber eigentlich alle, Poeten, Zuschauer und natürlich die Veranstalter. So kann es gern weitergehen…und wir freuen uns schon alle aufs nächste Jahr, wenn es an einem Dienstag im Juni auf der “Jungen Bühne” wieder heissen wird. Poetry-Slam Time auf der Kieler Woche. Björn fang schon mal mit der Planung an…

Die Photos zum Act gibts hier.

ICH BIN…

das Bild zum Wort und hätte nichts dagegen, im Wettbewerb von Nikon Österreich zunächst unter die ersten 200 zu kommen, um vor die Augen der Jury treten zu dürfen. Also wem es  gefällt, der darf gern den Button mit dem Daumen nach oben drücken…

NEUER VERSUCH

Montag, 20. Juni. Vor 35 Jahren versagt ein fränkischer Wurstfabrikant vom Elfmeterpunkt in der Nacht von Belgrad (ehemals Jugoslavien) gegen die Tschechoslovakische Rebublik und wir werden eben nicht Europameister. Die beiden Länder gibt es heutzutage so nicht mehr, aber Uli Hoeneß ist mittlerweile Präsident. Mmhh…nun gut…und wir versuchen unser Glück, diesmal am Rathaus bei Pohlmann. Vor drei Jahren am Freitag zum Soundcheck konnten wir die Zuhörer noch per Handschlag begrüßen. Diesmal krieg ich Platzangst…wie sich die Zeiten doch ändern…Ich habe das Gefühl die Massen werden immer mehr und mehr und vor allem unkontrollierter…kurzum nach 15 Minuten Flucht aus dem unmittelbaren Umfeld…noch ne gute halbe Stunde abseits zugehört…wieder nix mit Photos….aber morgen abend beim Poetry Slam glüht die Compact Flash Karte und das wird mir auch niemand verderben..sic est !

GEBÜHRENFINANZIERT

Sonntag, 19. Juni. Vor 75 Jahren besiegt Max Schmeling im Kampf um die Krone der Schwergewichtler Joe Louis durch K.O. Und wir wagen uns erneut raus. Intermezzo bei der “Jungen Bühne” am Schloss mit “Mr. Green Is Dancing” ! Coole Jungs – Klasse Act ! Aber eigentlich wollen wir doch mal sehen, was NDR2 als gebührenfinanzierter Veranstalter a) so auf die Bühne stellt und b) sich zum Thema “Sicherheitskonzepte” ausgedacht hat.

Das Ergebnis überrascht nicht wirklich und bestätigt die Qualität, die der NDR seit Jahren abliefert. Entspanntes und vor allem in Deeskalatation hervorragend geschultes Sicherheitspersonal,  weitläufiges Areal und man hat trotz der gut 10.000 Mithörer nie das Gefühl von Gefahr oder Eingesperrtsein ! So soll das sein ! Die Acts mit Johannes Oerding und Laith Al-Deen fallen für meinen Geschmack ein wenig zu weiblich aus…aber nun gut…auf Photographieren hab ich immer noch keine Lust..naja ja vielleicht morgen abend bei Pohlmann.

ANGLASEN

Samstag, 18. Juni. Vor 89 Jahren wird in Genf der Weltbasketballverband gegründet und Dirk Nowitzki bescherte uns dadurch in den letzten Wochen viele schlaflose Nächte – auch unserem Freund Samir. Dieser hatte alle in seiner unnachahmlichen Art (!!!) im Vorfeld angefixt der KIWO-Eröffnung beizuwohnen und es reifte die wahnwitzige Idee mit Julchen bei der Eröffnung am Rathaus voreizuschauen, um vielleicht auch noch ein paar Takte “”Alphaville” ansatzweise relaxed mitnehmen zu können. Kompletter Trugschluss… Auch hier Massen und Horden und vor allem wieder viel zu viele…nach 20 Minuten Retour…so werden die Kieler Woche und ich dies Jahr keine Freunde…Photos Fehlanzeige !

AUSNAHMEZUSTAND

Freitag, 17. Juni. Ok – jeder der in Geschichte nicht ganz geschlafen hat, weiss was vor 58 Jahren war. Aber acht Jahre später geht auch das Kraftwerk  Kahl als erster Atommeiler in Deutschland ans öffentliche Stromnetz. Und heute in der Landeshauptstadt ?  Sind sie wieder da. In Horden und in Massen. Und sie sind laut. Und viele – ganz viele – zu viele. Und man versucht neue Sicherheitskonzepte an der Hörn, um der Sicherheit Willen – aber auch das geht gehörig in die Hose und jeder möge sich selbst ein Bild vom Volksfest machen. Oder auch nicht.

Nach dem kompletten Reinfall bei den Söhnen aus Mannheim, zu dem man mir als akkreditierten Photographen von der Sta(r)sicherheit den Zutritt  für den “internen” Kessel des neuen Konzeptes verwehrte und wir uns über eine halbe Stunde durch die extern nachrückende Menschenmasse gequält hatten, wurde es später doch noch ein gelungener Abend.

Angeführt von Alex Conti gaben “Lake” im Musikzelt am Hindenburgufer ein excellentes Konzert. Ursprünglich 1967 als “Tornados” in Husum gegründet, formierte sich die Band 1973 nach der Aufnahme von Ian Cussick neu. Die Geschichte der Band war danach ziemlich bewegend und ich konnte mich im Vorfeld auch nur an den ein oder anderen Klassiker wie “On the run” oder “Jesus came down” erinnern.

Aber die Jungs waren echt klasse und entschädigten für sehr vieles, was vorher schief gelaufen war. Und wenn man dann noch nach langer Zeit einen Freund im Geist dort wieder trifft – dann ist alles gut !

Eigentlich waren wir primär auch nur da, um Jens Skwirblies in Aktion zu erleben, den wir vor Wochen im Maritim mit Katrin Wulff das erste mal live gesehen und danach plauschenderweise kennengelernt hatten.

Schade nur, dass wir danach alle zusammen kein Pils mehr haben konnten, aber das holen wir bei Gelegenheit nach. Und am Licht für den Keyboarder müssen wir auch noch mal arbeiten…Habt ne gute Tour unterwegs im Süden…

So macht Kieler Woche dann schon richtig Spass und ab sofort wird die “Unser Norden”-Bühne boykottiert auch wenn ich gern Human League beigewohnt hätte – dafür sieht mich die “Junge Bühne” am Schloß jetzt öfter….

ALLEIN IN DER SCHAUBUDE

“Etwas ist faul in dieser Welt” – Klar, nicht nur etwas !

Donnerstag, 16. Juni. Vor 61 Jahren wirft die DDR den USA vor, Kartoffelkäfer über ostdeutschen Äckern abzuwerfen und heute hätten Thomas Langkau und Torsten Wolff  in der Schaubude viel mehr als zehn Zuhörer verdient gehabt. Beide gehören zu den erfolgreichsten Poeten des Nordens und waren Teilnehmer bei den deutschsprachigen Meisterschaften des Poetry Slams, sowie Finalisten der schleswig-holsteinischen Slam-Meisterschaften.

Torsten Wolff – geboren in Berlin begann im April 2008 in Freiburg mit dem Poetry Slam, bevor es ihn nach Kiel an die Ostsee zog.

Aus jeder dieser Regionen hat er jedoch die besten Eigenschaften in sich aufgenommen und schreibt mit einer Mischung aus Frechheit, Arroganz und Sarkasmus. Seine Texte voller Wortwitz und Humor regen dabei nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken an. Bei seinen Auftritten hat Torsten Wolff bereits zahlreiche Poetry Slams gewonnen und es zuletzt sogar bis zur Teilnahme an den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften gebracht.

Auf seiner Debut-CD “Slam Stages” präsentiert er nun vierzehn Texte, die abwechslungsreich Randgruppen ins Zentrum setzen, Mißstände anprangern, Vorurteile vorverurteilen oder einfach nur lustig sind. Live, aus dem Studio, aber in jedem Fall in Farbe.

Thomas P. Langkau. Satzsucher. 1968 in Lübeck geschaffen.

Feierte in der Grundschule noch vergleichsweise große Erfolge. Gescheiterte Krankenpflegerkarriere. Zum Profifußballer hat es auch nicht gereicht. Also jetzt Berufsschullehrer.

Anno 2006 die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens wiederentdeckt, sucht unentwegt. Zum Beispiel nach kostbaren Sätzen. Ungefähr so erfolgreich wie auf der Grundschule. Inzwischen angekommen. Auf Sankt Pauli. Und da gehört er auch hin.

Immer noch fast brandneu: Sein erstes Buch „Satzsucher“ ist im Februar 2011 erschienen. Darin schreibt Thomas über alles. Lyrik und Prosa, vom albernen Spaß bis zum blutigen Ernst – in jeder Kombination quer durch alle Genres. Ein Buch für den Widerspruch und gegen die Angst.

Es war trotzdem oder grad deswegen ein toller Abend und wir haben ganz viele Photos jenseits der Bühne gemacht.  Aber die zeigen wir erst, wenn die Zeit dafür reif ist…

 

KAMPF DER KÜNSTE – FINALE IM SCHAUSPIELHAUS

Freitag 3. Juni. Vor 150 Jahren besiegen die Unionstruppen unter General McClellan in der Schlacht von Philippi die Konföderierten und wir suchen an diesem Abend die Vertretung des Kampf der Künste für den Slam 2011.

Was für ein Abend ! Ein mit 1200 Zuschauern ausverkauftes Haus und ein grandioses Line-Up (alle Saisonsieger des Zeise Slams) im größten Sprechtheater der Republik, dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. 

Andy Strauss – Christian Ritter – Marian Heuser – Moritz Kienemann – Armin Sengbusch – Moritz Neumeier – Nektarios Vlachopoulos und Sebastian Rabsahl. Moderation Michel Abdollahi,  Le Poonie als Opferlämmer sowie Game Ove mit Sönke Torpedo als musikalische Gäste. Und wir durften – dank der Einladung von Jan-Oliver Lange, einem der Organisatoren des National – in der Ehrenloge 4 mittendrin dabei sein.

Wir hatten zweieinhalb Stunden Riesenspaß, Lichtbedingungen wie ich sie noch nie bei einem Slam hatte, aber wenn das zweite Mikrophon demnächst wieder mal den ganzen Abend nutzlos und unmotiviert auf der Bühne rumsteht, hole ich das eigenhändig da runter. Mit Sebastian gewann letztendlich der an diesem Abend professionellste und rezipientenkompatibelste Poet, wobei mich persönlich Moritz Neumeier am intensivsten erfasst hat. Aber das ist eine andere Geschichte…Die Bilder dazu sind hier.

 

 

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